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Es war einmal vor langer Zeit - genauer gesagt, 1986,
als Kroatien noch zu Jugoslawien gehörte.
Damals, wir waren gerade ein paar Wochen in unserer neuen Wohnung und ich am
renovieren. Da klingelte es, und nicht zum ersten mal. Allerlei Leute
standen schon vor unserer Tür: Zeugen Jehovas, Vertreter aller Art,
Zeitungsverkäufer, usw., und jeder wollte mir etwas aufschwatzen. Leiter
runter, Leiter rauf - Tür auf, Tür zu. Also wie gesagt es klingelte.
Leiter runter, Tür auf. Da steht doch einer vor der Tür, typisch einer
aus dem Süden. Schwarze Haare, schwarzer Schnurrbart gebrochen deutsch.
"Was will der?" dachte ich. Hab' nicht lange überlegt, denn meine Tapete
musste an die Wand, und schrie: "Ich kaufe nix!" Tür zu. Fertig, Ende -
für eine Weile.
Ein paar Wochen später erzählte mir meine Frau: "Du, heute war eine Frau
bei mir, die wohnt bei uns gegenüber und sie hat mich gefragt, ob sie ihre
Tochter mal eine Weile bei uns lassen könne." "Ja und?" "Das sind
Jugoslawen!" "Kommt überhaupt nicht in Frage. Mit denen will ich nichts zu
tun haben! Aus und Feierabend!"
Nun - normalerweise ist das nicht meine Art, so zu reden. Aber wir
hatten zuvor schlechte, sehr schlechte Erfahrungen mit Jugoslawen gemacht.
Aber das gehört hier nicht her.
Na ja. Irgendwann ließ ich mich dann doch breitschlagen unter der
Voraussetzung, dass ich keinen von denen kennen lernen muss.
Es verging einige Zeit, ich kam von der Arbeit nach Haus. Da saß eine
Frau mit meiner Frau (Jugoslawin) zusammen bei einem Glas Wein und unterhielten sich.
Ich gesellte mich dazu, nichts ahnend, denn die Frau sprach perfekt
deutsch. Zwar ein bisschen anders, aber ich hielt es für Dialekt. "Das ist
die Mutter von der Katja" sagte meine Frau. Aber ich saß ja nun schon -
was soll's. Wir unterhielten uns und plötzlich musste die Frau niesen. Ich
sagte "Vrit nos" (das möchte ich hier nicht übersetzen). Sie schaute eine
Weile nachdenklich und dann hatte sie verstanden. Wir mussten lachen und
meine Voreingenommenheit war erst einmal weg.
Nun, es war wieder einige Zeit vergangen und meine Frau verabredete
mit Ružica ein Treffen zum Beisammensein. "Ružica's
Mann Niko kommt auch!" sagte meine Frau zu mir. "Ob das gut geht mit
diesen Jugoslawen?" kam es wieder in mir hoch. Der Abend kam und unsere
Nachbarn auch. Vorsichtig checkten wir uns ab, Niko und ich. Er mich,
weil ich ihm die Tür vor der Nase zugeknallt hatte (ich hatte es längst
vergessen), und ich ihn, weil ich meinte, irgendwann den schlechten
Jugoslawen in ihm zu entdecken. Aber nichts von alledem. Irgendwann am
Morgen sind sie dann gegangen.
Die gegenseitigen Besuche häuften sich, meinen Fehltritt hatte Niko
mir längst verziehen, und so kam es, dass er sagte: "Wenn Ihr Urlaub
machen wollt, könnt Ihr mein Haus in Novi benutzen." Na ja - wieder ein
bisschen skeptisch, ich hatte zuvor nur Samobor und Umgebung kennen
gelernt, fuhren wir also nach Novi. "Oh Gott, ich hab's gewusst. Was für
Straßen. Hier soll man Urlaub machen? Ich will nach Hause!"
Durchgerüttelt kamen wir dann endlich an. Erst mal mit Niko's Mutter
sprechen und dann schlafen.
Nächster Tag - Bummel durch die Stadt, runter zum Strand. Strand?
Alles Felsen. Aber für mich ideal. Ich brauche keinen Sand zwischen den
Zähnen und in der Badehose. "Eigentlich ganz nett hier!" musste ich
innerlich bekennen. Ich wollte irgendwann nicht mehr nach Hause.
Jetzt war ich bestimmt 18-20 mal in der Pension bei Niko's Schwester in Novi. Wir waren auch mal
woanders. Korcula, Rovinj, Mostar, usw. Alles nix.
Ich will nach Novi!
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