San Marino - Insel und Kirchlein

Kapelle des Hl. Marin (Bild vergößern)In einer Entfernung von nur 205m von der Küste von Novi Vinodolski ist die kleine Insel San Marino "verankert". Einst benutzten Fischer die Insel für den Thunfischfang, aber heute steht hier nur noch ein gotisches Kirchlein, das dem hl. Marino geweiht ist, nach dem die Insel ihren Namen erhalten hat. Wahrscheinlich ist die Kirche über den Grundmauern einer größeren altkroatischen Kirche errichtet worden, die bei letzten Ausgrabungsarbeiten entdeckt wurden. In einer steinernen Inschrift aus dem 3. oder 4. Jahrhundert, die auf der Insel gefunden wurde, wird die römische Kaiserin Helena erwähnt.
Kopfreliquiar der hl. Ursula (Bild vergrößern)Das Kirchlein der "Heiligen Dreifaltigkeit", erbaut Ende des 15. Jahrhunderts, ist ein kleiner gotischer Bau mit einem Spitztonnengewölbe. Die Kirche befindet sich in der Nikola Mrzijak-Straße über dem Stadthafen. In neuerer Zeit werden Schritte unternommen, um in dem Kirchlein eine Museumssammlung sakraler Kunstwerke einzurichten. Unter anderen wertvollen Exponaten wird man in dieser Sammlung auch das erste Breviar von Novi aus dem Jahr 1459 sehen können, ferner ein Missale von Novi aus dem Jahr 1474, und das zweite Breviar von 1494. Nach Ansicht von Dr. Radmila Matejčić gehört die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit zur Kategorie der städtischen Kapellen, während die anderen, wie die Kapelle des hl. Johannes in Krasa, des hl. Nikolaus an der Küste von Bribir, der hl. Lucia in Zagora, und der hll. Kosmas und Damian oberhalb von Veliko Polje der Kategorie der Vorstadt- oder Landkapellen zuzurechnen sind.
Säbel des Banus Ivan Mazuranic (Bils vergrößern)Von anderen Gebäuden, die mit der Kirche oder ihren Würdenträgern in Verbindung stehen, muss der Pfarrhof (im Volksmund Pripožitura genannt) erwähnt werden, den gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Bischof von Senj und Modruš, der aus Novi Vinodolski gebürtige Ivan Krstitelj Kabalin, erbauen ließ. Über dem Eingangsportal befindet sich das Wappen des Bischofs.
Fast gleichzeitig ließ auf dem "Precrikva" genannten Platz vor der Domkirche der hll. Philipp und Jakob der Bischof von Senj und Modruš, Ivan Krstitelj Ježić, den Bischofspalast, genannt "Biskupija" erbauen. Er diente lange Jahre zu diesem Zweck und ist heute im Besitz der Familie Mrzljak. An der Fassade befindet sich eine Sonnenuhr. Im Erdgeschoss des Frankopaner Kastells ist die Volkslesehalle mit der Bibliothek untergebracht, die zur Zeit der Illyrischen Erneuerung im Jahr 1845 gegründet worden ist. Die Lesehalle spielte eine wichtige Rolle im kulturellen Leben der Stadt, und die Einheimischen haben deshalb ihrem Gründer, dem Domherrn Josip Mažuranić, aus Dankbarkeit am 9. Dezember 1988 an seinem Geburtshaus eine Gedenkplatte angebracht.
In den Räumen des zweiten Stockwerks des Kastells befindet sich das Volksmuseum und die Galerie, das in der ersten Zeit nach der Gründung im Bischofspalast untergebracht war. Das Museum wurde am 1. Mai 1951 von dem verdienstvollen einheimischen Lehrer Juraj Potocnjak gegründet.
Die sehr interessanten Museumsexponate erregen die Aufmerksamkeit der Besucher, welche durch sie die kulturelle Vergangenheit des Volkes dieser Gegend, sein Leben und seine Bräuche kennenlernen können, von 1288 bis zum heutigen Tag. Besonders interessant ist die ethnographische Sammlung mit ihren Volkstrachten und Instrumenten, dann die Sammlung archäologischer und hydroarchäologischer Funde aus Novi Vinodolski, die Sammlungen von Kunstgegenständen und Waffen und die Memorialsammlung des Schriftstellers Ivan Mažuranić. Reich an Originalmaterial ist besonders die Sammlung des Volksbefreiungskampfes und der Revolution. Am Eingang ins Museum, im Erdgeschoss des Kastells, befindet sich seit 1978 ein Lapidarium. Auf Initiative der Vinodoler Versammlung naiver Maler und Bildhauer wurde bei dem Museum auch eine Galerie gegründet. Das Museum von Novi Vinodolski ist das Zentralmuseum des gesamten Gebietes von Vinodol.
Zum kulturellen Erbe von Novi Vinodolski gehören auch die alten Volksbräuche, Lieder, das Holzinstrument "Sopile" und besonders die schöne festliche Volkstracht der Männer und Frauen. Die mündliche Überlieferung, der Stolz und die Heimatliebe der Einwohnerschaft haben dieses wertvolle Erbe bewahrt, das auch heute noch im Volke lebendig ist und von Generation zu Generation vererbt wird. Die Volkstracht wird deshalb auch mit Recht auch als "Volkstracht von Novi Vinodolski" bezeichnet. Die Einheimischen sind mit ihr sehr verbunden, so dass sie nicht nur im Museum ausgestellt wird, sondern auch bei festlichen Anlässen im Verlauf des Jahres getragen wird. Der Volkstanz "Kolo" ist ein solcher Anlass, bei dem die Volkstracht zur Geltung kommt. Der Rundtanz wird drei Tage hintereinander in den Nachmittagsstunden getanzt, und zwar auf dem Platz vor dem Frankopan Kastell zur Zeit des Karnevals. Getanzt wird am Sonntag, Montag und Dienstag. Die zahlreichen malerischen Volkstrachten der Männer und Frauen bilden einen Reigen "in dem wir alle gleich sind, in dem Bruder neben Bruder steht" wie es in dem Lied heißt zu dem getanzt wird. Den Rhytmus des Tanzes "Kolo" geben die Sänger an mit ihren zweilautigen heroischen Volksliedern in achtsilbigen Versen. Diese Volkslieder besingen die ruhmreiche Vergangenheit unserer Völker, besonders der Einwohner von Novi Vinodolski. Zu den Karnevalsbräuchen gehört auch eine Strohpuppe in natürlicher Größe und menschlicher Gestalt. Jedes Jahr wird die Puppe mit einem neuen Namen "getauft", der sich gewöhnlich auf eine negative Erscheinung, Begebenheit oder Person aus dem Ort, der weiteren Region, des Staates oder der Welt bezieht. Die Strohpuppe lebt von Sonnabend bis Mittwoch, wann sie am Meeresufer auf einem steinernen Scheiterhaufen verbrannt wird. Am Dienstag wird über die Strohpuppe, die im Volke "Mesopust" genannt wird, öffentlich Gericht gehalten. In der Form einer Gerichtsverhandlung wird auf dem Platz vor dem Kastell das "Leben des Mesopust" gelesen, d.h. in der Reihenfolge alles, was öffentlich verhöhnt, verurteilt und bestraft werden muss. Das Urteil steht im vorhinein fest: das Böse und die Untaten müssen vernichtet werden, und der Schuldige ist immer der "Mesopust", dem deshalb mit einem Schwert symbolisch der Kopf abgeschlagen wird. Am Mittwoch wird er dann nach einem Begräbniszeremoniell verbrannt, im Beisein zahlreicher Zuschauer. Die Legende berichtet dazu: wenn der Rauch des brennenden Strohs gegen das Meer zieht, dann gibt es ein fischreiches Jahr; zieht es jedoch gegen Vinodol und seine Felder, dann gibt es eine gute Ernte. Eine Gruppe junger Leute, die s.g. "Mesopustari" führen nach alter mündlicher Überlieferung diesen Volksbrauch jedes Jahr durch.
Durch die Faschingsbräuche ist auch das hölzerne Blasinstrument "Sopile" erhalten geblieben, das nach Meinung von Fachleuten von der alten europäischen Oboe abstammt. Auf diesem Instrument spielen geübte Spieler zu zweit in der "istrianischen Tonleiter" jene Melodien, die sie singen können, dargestellt, dass einer die Melodie spielt, und der andere ihn begleitet. Die Einheimischen betonen mit Stolz die Symbiose der Faschingsbräuche mit dem kulturellen Erbe, weil dank ihnen die Volksbräuche und die Folklore erhalten geblieben sind, die mit der Gefühlswelt der Bevölkerung von Novi Vinodolski so eng verbunden sind.

Gedenktafel am Hause der Brüder Mazuranic (Bild vergrößern)Die Angaben über die kulturelle Vergangenheit von Novi Vinodolski wären nicht vollständig, wenn man nicht auch die Mitglieder der zahlreichen Familie Mažuranić erwähnen würde, deren Werke sie und ihre Vaterstadt Novi Vinodolski in der ganzen Welt berühmt gemacht haben. Das bekannteste Mitglied dieser Familie ist Ivan Mažuranić, der am 11. August 1814 in Novi Vinodolski geboren wurde, und am 4. August 1890 in Zagreb starb. Mit Hilfe des älteren Bruders Antun, den allein der Vater zum Studium bestimmt hatte, besucht Ivan die Juridische Akademie. Durch seine Fähigkeit und Hartnäckigkeit bringt es Ivan bis zum Banus von Kroatien und wird der erste Banus aus dem Volke, was für die gesellschaftlichen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts unerreichbar schien.Haus der Brüder Mazuranic (Bild vergrößern)
Sein literarisches Meisterwerk ist das geschichtliche Epos "Tod des Smail-Aga Cengić", das auf viele Sprachen übersetzt worden ist. Dieses Epos und seine originale Vollendung der Dichtung "Osman" des Dubrovniker Dichters Grundulić haben Ivan Mažuranić den großen Schriftstellern der Welt zugesellt. Zum Zeichen der Dankbarkeit haben die Bewohner von Novi Vinodolski im Jahr 1955 an der Uferpromenade seine Büste aufgestellt, ein Werk des Bildhauers Vinko Matković.
Der ältere Bruder Antun Mažuranić, diplomierter Jurist (1805 - 1898), war Professor und bekannter Linguist, der für seine Arbeit von dem russischen Zaren eine hohe Auszeichnung erhielt. Er zählte zu den ersten Mitgliedern der jugoslawischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Von seinen zahlreichen Verdiensten, die man schwer alle anführen kann, ist für Novi Vinodolski und ganz Vinodol von größter Bedeutung, dass er schon 1843 als erster den Text des Gesetzbuches von Vinodol (1288) gelesen und in kroatischer Übersetzung veröffentlicht hatte.
Zu der Pleiade berühmter Mitglieder der Familie Mažuranić gehört auch Vladimir-Fran Mažuranić  mit seine Essays "Blätter" und "Vom Morgen bis zum Abend". Als ewiger Reisender reiste Fran durch die Welt, aber seine Gedanken waren immer seiner Vaterstadt zugewendet. Er starb in Berlin, und seine sterblichen Überreste wurden 1973 nach Novi Vinodolski gebracht, und auf dem dortigen Friedhof in einer steinernen Urne, nach einer Idee des Architekten Zdenko Kolacio, an der linken Seite des Friedhofseingangs beigesetzt.
Auch die neueste Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, d.h. die Periode der Volksbefreiungsrevulotion von 1941 bis 1945 gab Anlass für die Errichtung von guten Denkmälern.
Auf dem Hauptplatz wurde 1951 das Denkmal der gefallenen Krieger des Volksbefreiungskrieges errichtet, ein Werk des akademischen Bildhauers Želimir Janeš.
An der Fassade des Kulturheims steht unter den Arkaden eine Gedenktafel mit einem Verzeichnis der Namen der gefallenen Kämpfer des Volksbefreiungskrieges und der Opfer des Faschismus im Zweiten Weltkrieg.
Auf der Uferpromenade neben dem Friedhof wurde am 15. April 1979 das Denkmal des Volkshelden aus Novi Vinodolski, Slaviša Vajner, dem legendären "Čiča von der Romanija", errichtet. An einzelnen Häusern der Stadt, sowie an wichtigen Punkten der näheren Umgebung, wurden Gedenktafeln errichtet, die an die wichtige Ereignisse der Volksrevulotion erinnern.

Quelle: Bibliothek Touristische Monographien Nr. 19- 1989

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